CAS, DAS, MAS ? das Chaos bei der Weiterbildung
Weiterbildung auf Hochschulstufe herrscht Wildwuchs. Arbeitgeber, aber auch Weiterbildungswillige sehen sich vor lauter Angeboten überfordert. Nun wird über eine Stutzung nachgedacht.
Sie heissen zum Beispiel «Certificate of Advanced Studies (CAS) in General Management», «Diploma of Advanced Studies (DAS) in Business Administration» oder «Master of Advanced Studies (MAS) in Human Capital Management». Seit Einführung der Bologna-Reform vor rund zehn Jahren werden sie auf Hochschulstufe angeboten (siehe Kasten). Inzwischen gibt es unzählige dieser CAS-, DAS- oder MAS-Lehrgänge. Alleine die Berner Fachhochschulen bieten gemäss Information auf ihrer Homepage «über 150 Zertifikatslehrgänge und ein breites Angebot an Kursen und Seminaren» an. Schweizweit sind mehrere hundert solcher Lehrgänge ausgeschrieben.
Die Arbeitgeber - besonders in kleinen und mittleren Betrieben - stossen an Grenzen. «Es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Es werden immer mehr und immer neue Titel ausgeschrieben», stellt Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, fest. «Personalverantwortliche müssen den Weiterbildungsmarkt stets im Auge behalten und ihn sehr gut kennen, wollen sie die Fähigkeiten der Bewerberinnen und Bewerber richtig einschätzen», sagt er. Eine besondere Herausforderung sei es, die vielen Zertifikate miteinander zu vergleichen.
«Kein Patentrezept»
Für die Vizedirektorin des Schweizerischen Gewerbeverbandes, Christine Davatz-Höchner, ist klar, wie es zu diesem Wildwuchs kommen konnte: «Der Wirrwarr ist deshalb so gross, weil es keine Kontrolle oder Akkreditierung der Bildungsgänge gibt und die Schulen in ihren Angeboten frei sind.» Wie beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) zu erfahren ist, sind die Abschlüsse in der Tat grundsätzlich nicht geschützt, ausgenommen jene mit der Bezeichnung «eidgenössisch anerkannt». BBT-Sprecherin Carmen Steimann erklärt, die Schulen seien durch den Bund akkreditiert, dieser kontrolliere und zertifiziere die Weiterbildungsangebote aber nicht extra. Er greife nur bei Missbräuchen ein. Die Angebote müssen indes gewisse gesetzliche Rahmenbedingungen einhalten (siehe Kasten). «Die Schulen brauchen diese Freiheit», sagt Steimann. «Sie müssen ihre Lehrgänge stets im Kontakt mit den jeweiligen Branchen zusammenstellen können.» Es könne derzeit «in der Tat etwas unübersichtlich sein», doch der Gesetzgeber gehe davon aus, dass der Markt dies selber reguliere.
«Bereinigung angezeigt»
Die Fachhochschulen streiten nicht ab, dass es beim heutigen Angebot schwierig ist, sich zurechtzufinden. «Ein Patentrezept zur Problemlösung haben wir nicht», sagt Thomas Bachofner, Generalsekretär der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen Schweiz. Er motiviert Bildungsinteressierte, den Aufwand nicht zu scheuen und sich selber ins Bild zu setzen. Das sei bei jedem Angebot im marktwirtschaftlichen Umfeld nötig. Bachofner streicht hervor, dass mit den CAS-, DAS- und MAS-Bezeichnungen zumindest eine Standardisierung gewährleistet sei, auf die sich die Arbeitgeber und Absolventen stützen könnten. Auch seien CAS und DAS für die Schulen wichtig, um wirtschaftsnah ausbilden zu können. «Hier passieren wichtige Wissens- und Technologietransfers», betont Bachofner.
Arbeitgeberdirektor Thomas Daum begrüsst die Vielfalt und die branchenspezifische Ausbildung grundsätzlich, hält aber unmissverständlich fest: «Es gilt, den Konsumenten zu befähigen, die Lage richtig einzuschätzen und sinnvolle von sinnlosen Angeboten unterscheiden zu können.» Der Arbeitsmarkt müsse transparent sein. Für Daum ist darum klar: «Wir müssen eine Diskussion führen. Eine Bereinigung ist bei den Weiterbildungen früher oder später angezeigt.» Quelle (Berner Zeitung)
Master ist nicht gleich Master
Wer in der Weiterbildung einen Master-Abschluss macht, darf diesen nicht mit dem Master-Studium an der Uni verwechseln. Mit der 1999 lancierten Bologna-Reform der Hochschullandschaft wurden neben dem zweistufigen Studiensystem (Bachelor und Master) europaweit auch vergleichbare Abschlüsse in der Aus- und Weiterbildung eingeführt. Hier eine Übersicht der Berner Fachhochschule:
Certificate of Advanced Studies (CAS), vormals Nachdiplomkurs (NDK): Sind die kleinsten Weiterbildungsabschlüsse, die an den Hochschulen angeboten werden. Hier wird spezifisches Wissen vermittelt, sodass eine Zusatzqualifikation in einem bestimmten Fachgebiet erworben werden kann. Die Studiengänge dauern wenige Monate bis ein Jahr und beinhalten manchmal eine Projektarbeit. Arbeitsaufwand: 300 Stunden, entspricht nach Bologna 10 ECTS-Punkten.
Diploma of Advanced Studies (DAS): Wurden neu eingeführt. Sie bieten eine vertiefte Ausbildung in einem spezifischen Fachbereich, sodass eine Zusatzqualifikation im angestammten Beruf oder in einem neuen Fachgebiet erworben werden kann. Dauer: in der Regel ein bis zwei Jahre. Beinhaltet häufig eine Abschlussarbeit. Arbeitsaufwand: 900 Stunden, entspricht 30 ECTS-Punkten.
Master of Advanced Studies (MAS), vormals Nachdiplomstudiengänge (NDS): Sind die höchsten Weiterbildungsabschlüsse, führen aber nicht zu einem akademischen Titel. Sie bieten eine umfassende Ausbildung im jeweiligen Fachbereich, sodass entweder eine zusätzliche Qualifikation im angestammten Beruf erworben werden kann oder sich ein neues Berufsfeld eröffnet. MAS-Studiengänge dauern zwei oder mehr Jahre und beinhalten eine Abschlussarbeit. Die MAS-Abschlüsse haben teilweise eine internationale Gültigkeit. Arbeitsaufwand: 1200 bis 1800 Stunden, entspricht 45 bis 60 ECTS-Punkten.
EMBA: Steht für eine der weltweit bekanntesten Master-Studien - den Executive Master of Business Administrations. Der EMBA wird auf Grund des Studienaufbaus häufig mit dem Master of Advanced Studies (MAS) verwechselt, ist aber nur auf die Betriebswirtschaft ausgerichtet. Arbeitsaufwand: mindestens 1800 Stunden, entspricht mindestens 60 ECTS-Punkten.
Bachelor und Master: Der Weiterbildungsabschluss Master of Advanced Studies darf nicht mit dem Master of Science (ehemals Phil. II) oder dem Master of Arts (ehemals Phil. I) verwechselt werden. Letztere schliessen als zweiter akademischer Abschluss an den Bachelor an. Der Bachelor wird nach Abschluss eines dreijährigen Hochschulstudiums verliehen, der Master nach weiteren drei Semestern Studium.
Quelle: Michael Widmer, TA
